Angst.

Sie fragen mich, was Angst ist? (Na toll, da fang ich hier grad an und der erste Satzt ist schon geklaut...)
Ich hab viel Angst. Man könnte sagen, dass die Angst mein Leben bestimmt. Die Angst denkt und entscheidet für mich. Und das schon so lange, dass ich gar nicht weiß, wie es wäre, wenn ich selbst denken und entscheiden könnte.
Ich hätte natürlich auch sagen können, dass mein Leben von einer Essstörung, Depressionen, einer noch nicht offiziell festgestellten Persönlichkeitsstörung, und diversen anderen Störungen und Phobien bestimmt wird. Aber ich glaube, das ist alles nur durch meine ganzen Ängste entstanden.
Wenn ich keine Angst hätte, noch fetter zu werden, mich noch mehr zu hassen, usw. hätte ich wahrscheinlich keine Essstörung. Wenn ich keine Angst hätte, mein Bett zu verlassen und mich unter Menschen zu begeben, wäre ich wahrscheinlich deutlich weniger depressiv. Und so weiter.

Heute hat mir meine Mutter gesagt, ich sollte selbst einkaufen gehen, wenn ich etwas haben will, was nicht unbedingt nötig ist, um zu überleben. Ich hab ihr gesagt, ich kann das nicht. Ich hab ihr das schon so oft gesagt. Ich hab ihr das Herzrasen, das sich anfühlt, als stände ich kurz vorm Herzinfarkt beschrieben, mein unsicheres Gestottere und Zittern und die Heulkrämpfe danach beschrieben. Sie müsste es verstehen. Sie hat selbst Angststörungen und Panikattacken. Aber mir sagt sie, ich KANN einkaufen gehen.
Eigentlich...kann ich ja auch. Aber nicht allein. Nicht hier. Nicht in dieser Stadt. Diese Stadt macht mir solche Angst, dass ich in einer besonders schlimmen Woche höchstens einmal zur Schule gehe.
Und dass ich mich nicht mit Freunden aus einer anderen Stadt treffe, weil ich dafür hier bis zum Bahnhof gehen müsste. Ich würde von vielen Leuten gesehen werden. Nicht nur gesehen. Durchschaut. Sie starren auf meine wabbeligen, verformten Beine und lachen mich gedanklich aus. Sie starren mich verächlich an. Als ob sie meine Gedanken lesen könnten. Als ob sie denken würden, dass ich eine Schande für alle wirklich Essgestörten bin, weil ich so fett bin. Ich war nicht immer fett. Ich schwöre. Meine Freunde meinten, ich wäre fast tot. Aber wenn man mich so sieht, kann man es nicht glauben.
Ich bin eine Witzfigur. Ich sehe krank aus, schwach, müde und alt. Aber ich werde immer fetter. Jedenfalls sehe ich immer fetter aus. Obwohl ich weder viel ab-, noch zunehme. 1kg rauf, 1kg runter. Esse ich einen Tag lang gar nichts, kippe ich am nächsten Morgen schon im Flur um und kriege Schokolade in den Mund gestopft. Esse ich eine Sache, esse ich mehr. Meistens kann ich gar nicht wieder aufhören. Und kotzen kann ich nicht immer. Doch, eigentlich schon. Aber wenn meine Mutter es mitkriegt, ist sie nur, wie immer, erstmal total überrascht, dass ich überhaupt kotze und dann sagt sie mir, wie dumm ich bin und dass ich einfach weniger essen soll. Wenn ich sage, dass ich nicht anders kann, ist es genau wie mit dem einkaufen gehen.. Sie sagt, ich kann.
Vermutlich kann ICH auch. Aber ICH kann mich in meinem Kopf nicht durchboxen und hab so gar nichts zu sagen oder zu steuern.

Wie auch immer. Herzlich Willkommen in meiner Welt.

25.4.09 21:57
 
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